Es waren schwierige Entscheidungen, die das Trainerteam vor dem Auftakt ins Spieljahr 2025 zu treffen hatten. Die Vorbereitungsphase war längst nicht so gelaufen wie erhofft. Ständig gab es neue, langwierige "Opfer" der Grippewelle, was die Trainingsmöglichkeiten immer wieder zurückwarf. Auch die Besetzungen in den letzten Testspiele pfiffen "aus dem letzten Loch". Und dann kam auch noch der zusätzliche Verletzungsausfall von Sven Netzlaff dazu. Nach Leo Clauer, Marius Koch und Joshua Weseloh ein weiterer Langzeitausfall von guten Kickern des Teams. Ärgerlich. Damit war im zentralen Mittelfeld nur noch Hendrik Arndt als letzter "Dauerbrenner" verfügbar. Wer sollte dort also nun sein Nebenmann sein? Wieviel Absicherung braucht es dahinter? Wie kann man reagieren, wenn es nicht funktioniert. Immerhin meldeten sich vor dem Spiel gegen den Kreisligaabsteiger TVV Neu Wulmstorf mehrere Spieler zurück. Aber fit? Natürlich nicht. Wie denn? Ohne Spielpraxis und erst ein oder zwei Trainingseinheiten. Welches Spielsystem trägt also den Kader am besten durch die 90 Minuten? Wer hält wie lange durch? Wer kann im Spielverlauf je nach Situation noch neue Impulse setzen? Und, und, und...! Völlig klar war nur eins: Die Kadersituation war definitiv nicht besonders gut darauf ausgelegt, einem Rückstand hinterherlaufen. Das wäre also besser dringend zu vermeiden.
Und so kam es, dass mit Tobias Engel zunächst der Jüngste im Team die Vakanz im Mittelfeld besetzen sollte. Zum Schutz vor Ballverlusten, Kontern und langen Bällen wurde die Abwehrlinie personell verstärkt. Dies bedeutete einen taktischen Verzicht auf offensive Außenspieler wie Ole Schmerbitz oder Youngster Felix Köppe. Stattdessen "beackerten" Lennard Gevers und Cedric Schulenburg die Außenbahnen allein. Mit zwei Stürmern sowie Jannik Dreusicke dahinter sollte aber dennoch auch so genug Torgefahr im Team stecken. Wie lange Marc-André Böhme und Sammy Boel nach just überstandener Grippe allerdings vorne klar kommen, stand in den Sternen. Gleiches galt für Luis Hessenmöller in der Abwehrlinie. Also wurde bewusst eine schlagkräftige "Reserve" in der Hinterhand gehalten, um auf verschiedene Spielsituationen sofort reagieren zu können. Routinier Sascha Krause oder die Rückkehrer Henri Manewald und Jannik Pahl blieben dafür zunächst "Stand by". Der Verlauf der ersten Halbzeit ist ziemlich kurz erklärt: Wie erwartet verlegten sich die Gäste auf eine kompakte Defensive. Allerdings war diese noch viel kompakter als erwartet. Das führte daher zu einem sehr taktisch geprägten "Abnutzungsgeschehen", in dem beide Seiten gegen die jeweiligen Abwehrreihen kaum Offensivaktionen durchbrachten, was zur Pause ein recht langweiliges 0:0 zur Folge hatte.
Da sich die Gäste in keinster Weise "locken" ließen, war es also einzig an den Höllenbergern, dem Spiel für die zweite Hälfte eine neue Prägung zu geben. Da sich Engel und Arndt gut gefunden und das zentrale Mittelfeld weitgehend geschlossen hielten, wurde die Absicherung gelockert und das Spielsystem umgestellt. Die guten Innenverteidiger Serhat Ataykaya (angeschlagen) und Hessenmöller verließen das Feld. Auch der unglücklich agierende Dreusicke. Mit Pahl, Krause und Manewald kamen nun deutlich offensivere Akteure und durch Systemumstellung viel mehr Präsenz auf die Flügel. Der Effekt war sofort sichtbar. Das MTV-Team übernahm klar das Kommando, erzielte Feldüberlegenheit und hohe Spielanteile. Eine klare Steigerung zur 1. Halbzeit war die Folge. Ab der 60. Minute wirkte die Gäste etwas müder. Erste kleine Fehler führten zu ersten guten Chancen der Höllenberger. Engel und Schulenburg hatten zwei richtig gute - wenn auch nicht 100%ige - Gelegenheiten. Man hatte kurz den Eindruck, dass eine MTV-Führung in der Luft lag. Mitte der zweiten Halbzeit schien ohnehin klar ... wer hier das erste Tor erzielt wird das Match gewinnen. Zumal auch der TVV noch gelegentliche Konteransätze hatte.
Die Luhdorfer riskierten und taten mehr für einen Torerfolg. Aber auch ein "Lucky Punch" der disziplinierten und wachen Gäste war möglich. Fast wäre auch eine glückliche Entscheidung per Strafstoßpfiff für die Luhdorfer drin gewesen. Zwar gab es recht wenig Proteste. Aber spätestens nach Betrachter der Bilder wäre der Pfiff des guten Unparteiischen beim Einsatz gegen Böhme durchaus angemessen gewesen. Gegen Ende der Partie hatten sich die Gäste aber weitgehend vom ganz großen Druck befreit und kamen selbst noch zu ihrer einzigen echten Großchance. Doch Keeper Niklas Rudolph parierte einen freien Durchbruch überragend. Ansonsten kam an den weiter sehr starken Luis Wedemeier oder Lennard Gevers wenig vorbei. Kurz vor dem Ende warfen die Gastgeber noch Felix Köppe in die Partie. Aber auch ein "Happy-End per Jokertor" hatte der Fußballgott heute nicht vorgesehen. So blieb es leider bei einem ziemlich leistungsgerechten 0:0. Fazit: Ein jederzeit faires Spiel mit viel Taktik, mit hoher Disziplin von zwei engagierten Mannschaften = wenig "Fun-Fakt" für die Zuschauer. Selten genug am Höllenberg!