Beim Anblick der Sportplatzes in Hanstedt dürfte die Erleichterung der MTV-Trainer betreffend der ausgegebenen Spielausrichtung ziemlich groß gewesen sein. Diese war nämlich deutlich verändert worden und passte - zum Glück - im Grunde genommen ideal zu der ziemlich üblen und in Hanstedt eigentlich unerwarteten "Hoppelwiese". Gepflegter Spielaufbau mit guten Passpassagen im Mittelfeld wäre hier ganz sicher gescheitert. Stattdessen war in der Trainingswoche nach dem 0:0 gegen Neu Wulmstorf die Devise ausgegeben worden: "Lasst uns mal einen raushauen!" Gewagte Ansage. Denn der MTV Hanstedt gehört in aller Regel - trotz der aktuell schlechten Tabellensituation - nicht gerade zu den Hürden, die leicht zu nehmen sind. Zudem hatten sich die Luhdorfer schon mit der kompakten Defensive des TVV am letzten Sonntag enorm schwer getan. Hanstedt verteidigt aber eher sogar noch tiefer. Also wurde die Trainingswoche genau darauf ausgelegt, inkl. Änderungen im Spielsystem und der Startaufstellung. Eine extrem offensive Ausrichtung. Eigentlich gab es lediglich drei Positionen mit vornehmlichen Defensivprioritäten. Ansonsten durfte und sollte es "nach vorne" gehen, was sich später auch in der Torschützenliste zeigte.
Ziemlich riskant und zunächst ging das Vorhaben dann auch erstmal grandios schief. Die extra neu formierte Mittelfeldkonstellation mit Hendrik Arndt und Cedric Schulenburg legte einen unbeabsichtigten Fehlstart hin. Im Spielaufbau versprang dort der Ball gleich zweimal so heftig, dass die Gastgeber schön frei auf das Tor von Keeper Niklas Rudolph loslaufen konnten. Da eine Absicherung dafür nicht vorgesehen war, stand es also früh 0:1 (5.). Na toll. Im Nachgang betrachtet war das aber vielleicht auch gar nicht so schlecht gewesen. Denn von nun an hielt sich das MTV-Team sehr konzentriert an alle Vorgaben. Und zwar so gut, dass nur sieben Minuten später die Partie bereits gedreht war. In Minute 12 war ein Angriff mit viel Personal über rechts gut vorgetragen worden und bei der Hereingabe war Außenverteidiger (!) Henri Manewald so weit aufgerückt, dass er unbeobachtet und freistehend mit "Fuß, Knie und Nase" vollenden konnte. Nur eine Minute später hatten die Höllenberger erneut eine hervorragende Besetzung in und um dem Strafraum geschaffen. Die Gastgeber konnten den Ball nicht aus der Gefahrenzone bringen und als dieser schließlich Janning Dreusicke vor die Füße fiel, war es geschehen. 2:1 (13.).
Die MTV-Stimmung stieg. Das intensive Spiel gegen den Ball funktionierte. Luis Hessenmöller und Luis Wedemeier legten gelegentliche Durchbrüche "an die Kette". Das Zusammenspiel zwischen Schulenburg und Arndt hatte sich auch gefunden, sodass überall gezielt vorwärts verteidigt werden konnte. Es dauerte aber noch eine Weile, ehe die Hanstedter Defensive erneut geknackt werden konnte. Dann waren es insbesondere zehn bockstarke Minuten von Routinier Sascha Krause, die das Spiel schon vor der Pause entschieden. Zunächst wurde er über die rechten Seite prima in Szene gesetzt, verzögerte geschickt und passte zum genau richtigen Zeitpunkt auf den nachrückenden Sturmkollegen Sammy Boel, der unter Bedrängnis kaltschnäuzig flach ins Eck vollstreckte (44.). Kurz darauf ergab sich nahezu eine identische Situation. Wieder war Krause entwischt. Doch diesmal wurde er vom Verteidiger so stumpf im vollen Lauf gefällt, dass man als Schiedsrichter gut auf den "Kölner Keller" verzichten konnten. Klarer Strafstoß. Nach dem Ausfall des etatmäßigen Strafstoßschützen Leo Clauer funktionierte das neu eingesetzte 11-Meter-Team erneut gut. Kurze Absprache und Dreusicke verwandelte sicher zum 4:1 (45.+1). Zufriedene Gesichter in der Halbzeitpause. Zumal die Ergebnisse von anderen Plätzen reinkamen. Das Spitzenduo hatte überraschend Punkte gelassen. Ein paar Tore könnte man also in der zweiten Halbzeit durchaus noch gebrauchen, um auch in der Tordifferenz aufzuholen.
Kurz nach Wiederanpfiff kamen die MTVler mit dem schönsten Spielzug des Nachmittags prompt zum 5:1 (50.). Lennard Gevers servierte einen gut getimten Einwurf. Marc-André Böhme und Krause schalteten mit einem flinken Doppelpass die gesamte Hintermannschaft aus und im Zentrum schubste Schulenburg den Ball über die Linie. Zehn Minuten später erwischte auch die Gastgeber ein fieser Platzfehler, den Böhme freistehend ausnutzte (61.). Nach dem 6:1 verlor die Partie deutlich an Fahrt, was nicht nur an den vielen Wechseln der Luhdorfer lag. Denn Tobias Engel, Felix Köppe und Ole Schmerbitz kamen ordentlich rein. Aber die Mitspieler mussten nun doch mal einen Gang runterfahren und auch die Hanstedter verlegten sich darauf, nicht noch mehr "unter die Räder" zu kommen. Aus Luhdorfer Sicht waren nur noch zwei Punkte besonders erwähnenswert: Erstens kam U18-Kicker Kjell Meyer zu seinem Pflichtspieldebüt. Meyer steht als "Neuzugang" für das MTV-Team zur neuen Saison bereits fest und konnte also schon mal "Kabinenluft" schnappen. Und Zweitens legten die Höllenberger in der 85. Minuten doch noch ein weiteres Tor nach. Wieder war es Manewald, nominell ein Defensivspieler, der im Strafraum auftauchte und zum Endstand von 7:1 einköpfte. Die Vorgabe war erfüllt: "Einfach mal einen 'raushauen!"