Es wird hoffentlich nicht zur neuen Angewohnheit ... aber wie schon in Hanstedt benötigte unsere "Erste" auch im Heimspiel gegen die Kreisligareserve des FC Este einen 0:1-Rückstand, um in Tritt zu kommen. Dabei war die Spielvorbereitung und -ausrichtung eigentlich simpel. Denn die Ausgangsvoraussetzungen waren nahezu identisch wie in der Vorwoche. Die Kicker von der Este befinden sich wie der MTV Hanstedt in akuter Abstiegsgefahr und dürften daher mit einer sehr ähnliche defensive Spielanlage antreten. Da es beim 7:1 in Hanstedt gut funktioniert hatte, lag es also sehr nahe, die Startaufstellung und Spielanlage nicht groß zu verändern. Ein Heimsieg musste Pflicht sein, zumal der Rasen am Höllenberg trotz üblen Aprilwetters im tadellosen Zustand war. Außerdem war das Potenzial von der Bank größer geworden, weil Serhat Ataykaya und auch Jannik Pahl zusätzlich wieder zur Verfügung standen. Was sollte da also schief gehen? Aber so einfach wurde es dann leider nicht. Das hing auch damit zusammen, dass die Defensivtaktik der Gäste noch deutlich ausgeprägter war als angenommen.
Mit Beginn des Spiels wurde schnell deutlich, dass der FCE einen Plan verfolgte, der offenbar auf ein 0:0 setzte. Im Vergleich dazu hatte der MTV Hanstedt geradezu ein "Offensivfeuerwerk" angezettelt, wo sich nominelle Stürmer auch tatsächlich um eigene Torerfolge bemühten und die Gegenspieler forderten. Diesmal blieben Luis Wedemeier und Luis Hessenmöller in der Innenverteidigung weitestgehend unbehelligt. Gleiches galt im weitesten Sinne auch für Lennard Gevers und Henri Manewald auf den Außenbahnen. Und selbst noch für zentrale Mittelfeldspieler wie Hendrik Arndt und Cedric Schulenburg. Problematisch wurde es vielmehr für die Luhdorfer Offensivabteilung. Sascha Krause, Marc-André Böhme, Sammy Boel oder Janning Dreusicke sahen teilweise "den Wald vor lauter Abwehrbeinen" nicht. Und weil das so war, wurde selten in die Spitze gespielt, sondern zu oft in die Breite. Um mehr am Spielgeschehen teilzunehmen holten sich auch Krause & Co häufiger die Bälle im Mittelfeld ab, was es der dichten Abwehrlinie der Gäste oft noch leichter machte. Das Luhdorfer Spiel nahm einfach nicht genug Tempo auf. Und dazu kam, dass das ohnehin schon zu langsame MTV-Spiel bei jeder Gelegenheit von den Gästen geschickt noch zusätzlich verschleppt wurde. Jedes Toraus, jeder Einwurf ... es dauerte immer viele Sekunden und Minuten eh der Ball wieder ins Spiel kam.
Prompt kam, was kommen musste: Just bevor die Partie und die Zuschauer endgültig einzuschlafen drohten lief nach einer halben Stunde ein Konter durch und es stand 0:1 (27.). Egal ob stark abseitsverdächtig oder ob ein vermeintlich foulwürdiges Einsteigen gegen Keeper Niklas Rudolph vorlag... der Treffer zählte. Mit Protesten hielten sich die Höllenberger zurück. Letztendlich hatte man ja selbst Schuld. Und vor allem: Jetzt kam wenigstens eine neue Note ins Spiel. Keine, die man sich gewünscht hätte. Eine eigene Führung wäre willkommener gewesen. Aber nun war es eben geschehen... und zwar früh genug, um aus diesem blöden Spielstand noch etwas Vernünftiges zu machen. Bis zur Pause gelang es zwar nicht mehr, den Schalter umzulegen. Aber dann brodelte es in der Luhdorfer Kabine mächtig. Zumal der Endstand aus Holvede just reinkam, wo Tabellenführer SaGa sensationell mit 0:1 verloren hatte. Kein Vorwurf, dass eine schlechte erste Halbzeit gespielt wurde und es 0:1 stand. Aber... wer jetzt in dieser Konstellation wieder zurück auf den Platz geht und nicht wirklich ALLES unternimmt, um dieses Spiel zu drehen ... der kann eigentlich auch gleich die Sportart wechseln. Die allgemeine Schadenfreude am Montag, dass man trotz der Vorlage aus Holvede die Punkte am Höllenberg gegen den FCE liegen lässt ... das kann doch ernsthaft niemand wollen. Unangenehm ... aber die MTVler hatten verstanden.
Mit Beginn der zweiten Hälfte fing die Heimelf an, wirklich zu "arbeiten". Alle MTVler erfüllten damit jetzt zumindest die Grundvoraussetzung, um sich das nötige Spielglück überhaupt erstmal zu verdienen. Fleiß, Laufbereitschaft, Balleroberung, mehr Tempo, mehr Tiefe. Die Belohnung folgte schnell: Boel passte hart ins Zentrum, wo Manewald die Lücke auf der vollbesetzten Torlinie fand und den Ausgleich erzielte. 1:1 (52.). Ein hörbarer erster Brustlöser. Mit Tobias Engel kam zusätzliche Frische von der Bank. Für den letzten Schritt zum "Dreier" brauchte es allerdings noch ein spätes "Glückliches Händchen" der Trainer. Die trauten es nach guten Trainingseindrücken U18-Kicker Kjell Meyer zu, bei seinem Heimdebüt seinen Premieren-Treffer zu erzielen. Und da der Fußball immer gern genau solche netten, kleinen Geschichten schreibt, wurde also Meyer in der 72. Minute völlig unbelastet "ins Rennen" geschickt. Nur 6 Minuten später schoss er die "Pille" aus gut 18 Metern flach ins Eck! Sehr zur Freude der ganzen Mannschaft und der Luhdorfer Zuschauer. Spiel gedreht. 2:1 (78.). Natürlich verdient. Wenngleich die MTVler unter den eigenen Möglichkeit geblieben waren. Aber in der 2. Halbzeit stimmten die Bereitschaft, die Spannung und das unbedingte Engagement. Auch bei Felix Köppe, der ebenfalls kurz nach seiner Einwechslung fast das 3:1 vorbereitet hätte. Da kam der Gästekeeper aber noch dran. Ebenso auf der anderen Seite MTV-Keeper Rudolph, der kurz vor dem Ende mit einer unglaublichen Monsterreaktion parieren musste. Das wär´s ja noch gewesen... aber ... es blieb beim 2:1! Abhaken! Weiter!